800 Jahre franziskanische Geschichte

„Acht Jahrhunderte Franziskus – und seine Spur ist lebendiger denn je.“
Wenn wir in diesem Jahr auf 800 Jahre franziskanische Geschichte blicken, spüre ich eine tiefe Dankbarkeit. Franziskus von Assisi hat keine Reformprogramme geschrieben, keine Strategiepapiere entworfen und keine großen Strukturen aufgebaut. Er hat etwas viel Radikaleres getan: Er hat sich verwandeln lassen. Er hat sich von Gott berühren, von der Welt herausfordern und von den Armen lehren lassen
Für mich als Generaloberin bedeutet dieses Jubiläum nicht nur ein historisches Erinnern, sondern ein geistliches Innehalten. Franziskus lädt uns ein, immer wieder neu zu fragen:

Wo ruft uns der Geist heute zur Einfachheit, zur Geschwisterlichkeit, zum Frieden?

Und: Wo müssen wir den Mut haben, uns selbst loszulassen, damit Gott Raum gewinnt?

In einer Zeit, die von Unsicherheiten, Krisen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, berührt mich besonders die franziskanische Haltung des Hinhörens. Franziskus hörte auf das Evangelium, auf die Schöpfung, auf die Menschen am Rand. Dieses Hören war nie passiv – es verwandelte ihn und führte ihn in Bewegung.

Ich wünsche mir, dass wir als Kirche und als Gemeinschaften heute wieder neu lernen, mit diesem offenen Herzen zu leben. Nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen. Nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe. Nicht aus Macht, sondern aus Geschwisterlichkeit.

800 Jahre Franziskus erinnern uns daran, dass Erneuerung immer möglich ist – wenn wir uns von Gott überraschen lassen.

Möge dieser Geist uns durch das Jubiläumsjahr begleiten und uns ermutigen, die franziskanische Freude, Einfachheit und Friedfertigkeit in unsere Welt hineinzutragen.